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AKTUELLES 2026   29. März 2026  
 
 
 

Kissinger Oxenweg



Heimatkunde

Um langsam wieder aus dem Winterschlaf zu erwachen und für die Tennis-Saison in Bewegung zu kommen, organisierten Irma Gaier und Silvia Rinderhagen für die Mittwochsrunde am 29. März eine Frühlingswanderung auf dem Kissinger Oxenweg. Startpunkt ist vor dem Clubheim. Über Mergenthau geht es östlich an der Paar entlang zurück Richtung Alt-Kissing. In früheren Jahren trieben die Bauern ihre Rindviecher an die Paar zur Tränke, so bürgerte sich die Bezeichnung Kissinger Oxenweg ein.

Über den Petersberg erreichen wir die Peterskirche. Silvia hat den Kissinger Heimatforscher Hanns Merkl engagiert und gebeten, uns einige Geschichten und Geheimnisse um die Peterskirche und den Petersberg zu erzählen. Zur Einweisung werden wir darauf hingewiesen, dass es sich bei St. Peter um die älteste Kirche der Gemeinde und nicht um eine Kapelle handelt. Das Dorf entwickelte sich um die Peterskirche herum, welche zum Ende des 1. Jahrtausends erbaut wurde. Von dem Bauwerk steht heute nur mehr der Chor einer ehemals größeren Kirche, deren Langhaus um 1800 abgerissen wurde. Die Steine wurden nach Baindlkirch verkauft. Den Chor mit dem Altar konnten die Kissinger Bürger gerade noch vor dem kompletten Abriss retten.
  
Erst etwa 200 Jahre nach der Peterskirche, um 1200 begann man mit der Errichtung der größeren, wehrhaften Pfarrkirche St. Stephan auf der südlich gelegenen Geländezunge. In früheren Jahren war die Peterskirche noch regelmäßig geöffnet. Um eine wertvolle Madonna vor Diebstahl zu bewahren, fand sie auf Veranlassung eines früheren Bürgermeisters, den Weg vom Gotteshaus ins Bürgermeisterbüro, wo sie auch heute noch steht. Die frühere Orgel der Peterskirche wurde dem Deutschen Museum in München übergeben.

Von den geheimnisvollen unterirdischen Gängen in Kissing gibt es viele Geschichten. Hanns Merkl kann diesbezüglich, mit höchst interessanten Infos und sogar Fotos vom Innern der Gänge aufwarten. Genau unter uns, im Petersberg befinden sich Gänge, die zuletzt im Jahre 2014 untersucht wurden und in denen bis dahin auch regelmäßig Führungen von Hanns Merkl durchgeführt wurden. Die Tunnels verlaufen nicht geradlinig, sondern sie haben starke Höhenunterschiede und bilden extreme Engstellen, selbst ein schlanker Mann kann hier nur noch durchrobben. Da die Gänge im Mittelalter zum Schutz vor Feinden angelegt wurden, konnte man so Eindringlinge, die den Zugang zu den Gängen gefunden hatten, gut bekämpfen. In der jüngeren Vergangenheit, im zweiten Weltkrieg, wurden sie dafür benützt, um sich vor Bombardierungen zu schützen. Zum Glück kam es in Kissing nie dazu. Da die Tunnelsysteme stark einsturzgefährdet sind, bleiben sie seit einigen Jahren auf Weisung des Bürgermeisteramts verschlossen.

So viele geballte Informationen strengen an, wir müssen das mit Hochprozentigen hinunterspülen. Ursprünglich sollte unser Weg, vom Petersberg wieder zurück ins Clubheim führen, aber Hanns Merkl fragt nach, ob wir noch Lust auf den Burgstall hätten. Wir haben natürlich noch nicht genug und treffen uns wenig später vor der Burgstallkapelle wieder. Vor dem künstlich aufgeschütteten Hügel, der Teil einer mittelalterlichen Burg war, haben die Kissinger 1685 dieses Marienheiligtum geschaffen, erzählt uns der Heimatforscher. Der Bau in seiner Kreuz-Kuppel-Komposition entwickelte sich bald zu einem der beliebtesten Wallfahrtsorte der Umgebung.

Unter dem ersten Treppen-Bogen der Steintreppe, die auf gemauerten Bögen ruhend, zur Gnadenkapelle hinaufführt, liegt die „Gruftkapelle“ mit dem „Geißelheiland“. Hanns Merkl besitzt scheinbar den Schlüssel und hat sie für uns aufgesperrt. Ebenfalls geöffnet ist auch die Burgstallkapelle.

Nach einer Restaurierung (1865), bei der die ursprüngliche Madonna durch die jetzige ersetzt wurde, ließ die große Wallfahrtsbewegung auf Kissings „Heiligen Berg“ deutlich nach. Erst im Jahr 1945 wurde sie wieder belebt, als Kissing in den letzten Kriegstagen nach Anrufung der Muttergottes vor drohender Zerstörung bewahrt wurde. Gemäß einem Gelübde ziehen seitdem die Kissinger von Mai bis Oktober einmal im Monat in einer Prozession zum Burgstall, um Dank zu sagen für Rettung in großer Gefahr. Der Strom ist aber abgeebbt, seit ein paar Jahren besuchen nur mehr wenige Pilger die Kapelle.

Wir bedanken und verabschieden uns von Hanns Merkl, der uns mit seinen hochinteressanten G‘schichten, wirklich begeistern konnte. Anschließend geht es auf direktem Weg zurück ins Clubheim, wo wir bei Kaffee und Kuchen den Tag ausklingen lassen.